Sonderausstellung der GEDOK Heidelberg im Museum Haus Cajeth
(19.06. – 04.07.2026)
Thema Fußwege
mit zwei textilen Arbeiten von Petra Lindenmeyer, die zu Gedichten der Lyrikerin Sonja Viola Senghaus entstanden sind. Beide verbindet die Passion für Lyrik und das Sichtbarmachen von Sehnsüchten und Ängsten, die das Innerste des Menschen berühren.
Zum Thema „Fußwege“ ist es Sonja Viola Senghaus bewusst geworden, wie viele Arten von Wegen es gibt. Dabei ist das zu Fuß gehen eine natürliche Fortbewegungsart. Durch das Zurücklegen von Fußwegen kann eine Ortsveränderung stattfinden, die anders ist, wenn man auf Reisen geht oder wenn man unfreiwillig sein Land verlassen muss. Das Gedicht „Traumwanderung“, eine Wanderung „nackten Fußes auf rauen Straßen“, impliziert die Verwundbarkeit, Freiheit und Natürlichkeit, wenn auch die Straßen unbefestigt und uneben sind.
Sie steht oft im Kontrast zur Zivilisation, in der Schuhe als Schutz, aber auch als Einschränkung verstanden wird. Im Schlaf ist sie, die „Traumfinderin“, auf der Suche nach dem, was das Leben erfüllt, und sie will verdrängte Wünsche im Unterbewusstsein aufspüren.
Das Gedicht „Gehen und bleiben“ zeigt die Situation einer schweren Entscheidung. Sie symbolisiert Heimatgefühl und Verantwortung, Haus, Hof und das eigene Land aufzugeben. Zu flüchten kann oft lebensgefährlich sein und den Menschen schutzlos machen.
Die Texte der beiden Gedichte „Traumwanderung“ und „Gehen oder bleiben“ hat Petra Lindenmeyer jeweils in ihre Arbeiten eingestickt. Die weiblichen Figuren werden umrisshaft mit schwarzen Fäden skizziert, welche die dynamische Bewegung des Aufbrechens an einen noch unbekannten Ort durch wilde Bewegung der Haare aus Wollfäden unterstreichen.
Im Kontrast dazu das kunstvolle Häkeldeckchen beziehungsweise mit einem Monogramm verzierte Tischdeckchen. Diese Artefakte wurden mir von Frauen geschenkt, obendrein haben sie mir auch die Geschichte dazu geschenkt. Es sind beides Fluchtgeschichten –
Frauen, die in ihrer Kindheit aus Donauschwaben beziehungsweise Schlesien geflohen sind. Diese Handarbeiten gehörten zu den wenigen Dingen, die ihre Mütter mitgenommen haben.
Schon immer haftet Häkel-Arbeit ein biederer Beigeschmack an; rechte Parteien werben wieder mit „Heimat, häkeln, Hausfrau“. Auch dagegen kämpfen die Figuren in den Bildern an.
Gedichte von Sonja Viola Senghaus
Traumwanderung
Nackten Fußes
wandre ich
auf rauer Straße.
In engen Gassen
tanzen sie
die Träume.
Traumfinderin
bin ich in Traum
verlornen Städten.
Gehen oder bleiben
Ich will bleiben
doch der Strom
zieht mich mit
Wohin
irgendwohin
nirgendwohin
Bin unbehaust
geschichtslos
gesichtslos
Suche ein Zuhause
wo Schutzwälle
auf mich warten


